In die PKV kannst du in der Regel wechseln, wenn du:
1. angestellt bist und freiwilliges Mitglied in der GKV (Einkommen 2026 über 77.400 € JAEG), 2. selbstständig bist oder es wirst, oder 3. eine Beamtenlaufbahn einschlägst und Restkosten zur Beihilfe absichern willst. Ob ein Wechsel sinnvoll ist, hängt von deiner Familienplanung, deinem Gesundheitszustand und deinen Leistungswünschen ab — nicht nur vom Beitrag.
Private oder gesetzliche Krankenversicherung — was passt zu dir?
Wenn du über einen Wechsel in die private Krankenversicherung nachdenkst, geht damit häufig ein gewisses Maß an Unsicherheit einher. Manchmal sind da Freunde oder Zeitungsartikel, die von hohen Beiträgen im Alter sprechen. Auch sieht die PKV keine kostenlose Familienversicherung vor.
Andererseits findest du die günstigere Beitragskalkulation, die besseren Tarifleistungen und die kürzeren Wartezeiten interessant — oder du bist Beamter und benötigst eine PKV als Ergänzung zur Beihilfe. Vielleicht hast du auch schon gehört, dass die medizinische Versorgung bei Ärzten und in Krankenhäusern deutlich besser ausfallen soll.
Daher fragen uns viele Menschen: „Ist es sinnvoll, in die private Krankenversicherung zu wechseln, oder nicht?"
In unseren Augen lässt sich diese Frage nicht pauschal beantworten. Eine ehrliche Entscheidung hängt von mehreren Faktoren ab — und wer dir etwas anderes erzählt, verkauft dir lieber etwas, als dass er dich berät. Bevor wir konkret werden, hilft ein Blick auf zwei sehr unterschiedliche Welten: die Logik der Systeme und ihr Fundament.
Pilot oder Passagier — was wirklich anders ist
Beide Systeme haben Stärken und Schwächen. Vereinfacht ist es aber auch die Entscheidung zwischen Pilot oder Passagier. Denn in der GKV bestimmt ausschließlich die Politik über den Leistungsumfang. Die GKV arbeitet defizitär — und das Minus 2024 betrug nach Angaben des GKV-Spitzenverbands bei den Kassen rund 6,2 Milliarden Euro, beim Gesundheitsfonds zusätzlich 3,7 Milliarden Euro. Macht zusammen etwa 10 Milliarden. Das ist auch kein einmaliger Ausrutscher, sondern mittlerweile traurige Normalität.
In der Vergangenheit versuchte die Politik durch Leistungskürzungen und neue Zuzahlungen, die Ausgaben in den Griff zu bekommen. Dennoch konnte die stetige Beitragssteigerung nicht aufgehalten werden — der durchschnittliche Zusatzbeitrag ist seit 2015 von 0,9 % auf 2,9 % gestiegen, der Gesamtbeitrag liegt 2026 bei 17,5 %.
Deswegen haben auch immer mehr Kassenpatienten private Zusatzversicherungen — Zahnzusatz, stationären Krankenhauszusatz, Brillenversicherung — um die Lücken der GKV zu schließen.
In der GKV bist du Passagier: Du kannst nicht selbst bestimmen, wohin die Reise geht. In der PKV bist du Pilot: Du kannst dir auf dem freien Markt den zu dir passenden Versicherungsschutz einkaufen. Die einmal zugesicherten vertraglichen Leistungen sind dir dann ein Leben lang garantiert. Der Versicherer kann sie weder zukünftig einschränken noch einseitig kündigen.
Es ist auch wichtig zu wissen, dass der Leistungsumfang in der GKV stark limitiert ist. Das ist durch den Gesetzgeber so gewollt:
„Die Leistungen müssen ausreichend, zweckmäßig und wirtschaftlich sein; sie dürfen das Maß des Notwendigen nicht überschreiten. Leistungen, die nicht notwendig oder unwirtschaftlich sind, können Versicherte nicht beanspruchen."
Es geht also nicht darum, was medizinisch optimal wäre — sondern nur darum, was wirtschaftlich vertretbar ist und das Maß des Notwendigen nicht überschreitet. Wenn du deine Ärztin oder deinen Arzt mal auf dieses Thema ansprichst, wirst du spannende Geschichten zu hören bekommen.
Das ist auch der Grund, warum einige Ärzte Privatpraxen errichten. Sie möchten die medizinischen Leistungen erbringen, die dem Patienten helfen, wieder gesund zu werden — und nicht durch starre GKV-Vorgaben bei ihrer Berufsausübung eingeschränkt werden.
Wo genau diese Unterschiede konkret werden, zeigt dir die folgende Übersicht:
Umlage oder Kapitaldeckung — das unsichtbare Fundament
Beide Systeme zahlen Ärzte, Kliniken und Medikamente — aber das Geld kommt aus völlig verschiedenen Töpfen. Und genau das erklärt, warum die GKV unter dem demografischen Wandel ächzt und die PKV strukturell anders aufgestellt ist.
In der GKV gilt das Umlageverfahren: Was heute an Beiträgen reinkommt, wird heute für Leistungen ausgegeben. Es bleibt kein nennenswerter Topf übrig. Solange viele junge Erwerbstätige wenige Rentner finanzieren, geht das gut. Aber mittlerweile müssen wenige junge Menschen sehr viele Rentner finanzieren — weswegen die nächsten Einsparungen unausweichlich sind, damit das System nicht völlig kollabiert.
Die deutsche Bevölkerung wird im Schnitt älter, die Geburtenrate sinkt seit Jahrzehnten, und ab 2030 gehen die Babyboomer in Rente. Die Rechnung ist einfach: weniger Beitragszahler, mehr Leistungsempfänger. Folge: Beiträge müssen steigen oder Leistungen müssen sinken. Beides passiert seit Jahren parallel — der durchschnittliche Zusatzbeitrag ist 2025 auf 2,9 Prozent gesprungen, der Gesamtbeitragssatz liegt 2026 bei 17,5 Prozent.
Die PKV arbeitet nach dem Kapitaldeckungsverfahren. Das ist das exakte Gegenteil: ein Teil deiner Beiträge fließt nicht in heutige Leistungen, sondern in deine eigene Alterungsrückstellung. Diese wird verzinst angelegt, wächst über Jahrzehnte und federt im Alter die steigenden Gesundheitskosten ab. Ende 2025 lag der Gesamtbestand dieser Rückstellungen branchenweit bei rund 355 Milliarden Euro.
Die GKV ist solidarisch über die Generationen hinweg organisiert — und genau deshalb anfällig, wenn das Generationen-Verhältnis kippt. Die PKV ist individuell organisiert: jeder spart für sich. Das macht sie demografisch widerstandsfähig, aber dennoch nicht völlig immun.
Wir empfehlen daher immer: Wenn du heute in die PKV wechseln möchtest, dann solltest du nicht nur die jetzige Beitragsersparnis sehen, sondern auch die teilweise deutlich bessere medizinische Versorgung. Wenn du dann noch einen größeren Teil deiner jetzigen Beitragsersparnis für später zurücklegst, schaffst du dir einen zusätzlichen finanziellen Puffer — um auch die Beiträge im Alter entspannt zahlen zu können.
Vier Leistungsbeispiele, in denen das System dich spürbar anders behandelt
Wer über eine PKV nachdenkt, hört oft zuerst von Chefarzt und Einbettzimmer. Aus über 25 Jahren Beratungspraxis wissen wir: Die wichtigeren Unterschiede liegen woanders — bei der Wahl des Operateurs, bei der Material-Qualität, bei der Hilfsmittel-Versorgung und bei der Frage, was vertraglich tatsächlich garantiert ist. Vier Beispiele aus unserem Beratungsalltag.
Hüftgelenk-OP beim Top-Spezialisten
Bei einer Hüftendoprothese ist die Erfahrung des Operateurs ein wesentlicher Faktor für Standzeit und postoperative Mobilität. Als gesetzlich Versicherter wirst du in die nächste geeignete Klinik nach Versorgungsauftrag eingewiesen — operiert wird vom diensthabenden Arzt, das Team kann während des Aufenthalts wechseln.
Als Privatpatient mit Wahlleistungstarif kannst du dir den Operateur gezielt aussuchen. Es heißt zwar „Chefarztbehandlung", aber du kannst dir auch gezielt einen Oberarzt aussuchen, wenn das der Spezialist für deine geplante Operation ist. Du bekommst also immer den Arzt deines Vertrauens bzw. deinen Wunschspezialisten — und wirst nicht auf den zufällig diensthabenden Arzt verwiesen.
Stents bei verengten Herzkranzgefäßen
Bei einer Stenose werden Stents — kleine Drahtgeflechte — eingesetzt, um Gefäße offen zu halten. Es gibt sie in zwei Ausführungen: einfache Metall-Stents für rund 200 Euro mit einer Haltbarkeit von etwa 15 Jahren, und medikamentenbeschichtete Stents für rund 1.000 Euro mit einer Haltbarkeit von etwa 25 Jahren.
In der GKV ist die Standard-Variante vorgesehen. Wer die beschichtete Version will, muss in der Regel selbst zuzahlen oder eine Indikation belegen. In der PKV werden bei guten Tarifen die beschichteten Stents standardmäßig übernommen — bei jüngeren Patienten kann das einen zweiten Eingriff im Leben ersparen.
Wir fragen genau nach, um dich genau zu verstehen.
Bevor wir Antworten liefern, stellen wir die richtigen Fragen. Wir analysieren deine aktuelle Situation und deine Ziele bis ins letzte Detail, um dir keine Standardprodukte, sondern eine passgenaue Lösung anzubieten.
Krankenfahrstuhl: Handrollstuhl oder Elektrorollstuhl?
Wer dauerhaft auf einen Rollstuhl angewiesen ist, kennt den Unterschied: ein Handrollstuhl bedeutet Kraftaufwand bei jedem Meter, ein Elektrorollstuhl bedeutet Selbstständigkeit. In der GKV ist die Standardversorgung der Handrollstuhl — der Versicherte zahlt lediglich 10 Euro gesetzliche Zuzahlung. Ein Elektrorollstuhl wird nur dann bewilligt, wenn die Krankenkasse anerkennt, dass ein manuelles Modell die Beeinträchtigung nicht ausreichend ausgleicht. Wer ein komfortableres Modell mit kleinerer Bauform oder leichteren Materialien möchte, zahlt schnell 1.000 bis 1.500 Euro Aufpreis selbst.
In der PKV ist je nach Tarif die Versorgung mit einem Elektrorollstuhl deutlich einfacher zu erreichen — und auch hochwertigere Modelle werden übernommen. Marktpreise für Elektrorollstühle liegen je nach Ausstattung zwischen 3.500 und 35.000 Euro. Wenn das medizinisch begründet ist und der Tarif passt, ist die Versorgung gesichert. Auch hier gilt: der Tarif entscheidet — schwache PKV-Tarife können in Einzelfällen sogar weniger leisten als die GKV.
Was passiert in 30 Jahren mit dem, was heute zugesagt ist?
Die GKV-Leistungen sind politisch jederzeit kürzbar. Das ist im Gesetz so angelegt — § 12 SGB V verpflichtet zur Wirtschaftlichkeit. Beispiele aus den letzten Jahrzehnten: Brillen-Erstattung für Erwachsene wurde 2003 weitgehend gestrichen, der Festzuschuss bei Zahnersatz mehrfach umgebaut, die IGeL-Listen wachsen Jahr für Jahr.
In der PKV gilt § 203 VVG: Die vertraglich zugesagten Leistungen können vom Versicherer einseitig nicht reduziert werden. Was du heute abschließt, gilt 30 Jahre später noch genauso. Aber: Der Beitrag ist dynamisch und passt sich an Kostenentwicklung und Versicherungsmathematik an — und das offen zu sagen, gehört zu einer ehrlichen Beratung dazu.
Warum sich Ärzte für Privatpatienten mehr Zeit nehmen
Das ist keine Verschwörung und kein Geheimwissen. Es ist Mathematik — und in der Honorarstruktur transparent dokumentiert. In unserer Praxis in Bochum-Weitmar hören wir diese Frage fast jede Woche — von Mandanten aus Bochum, Witten und Hattingen, die direkt vorbeikommen, und aus Essen, Dortmund und dem übrigen Ruhrgebiet, die online dazugeschaltet sind.
Für gesetzlich Versicherte rechnet die Praxis nach dem Einheitlichen Bewertungsmaßstab (EBM) ab. Vereinfacht: der niedergelassene Arzt erhält pro Patient und Quartal eine Pauschale, die durch das Regelleistungsvolumen gedeckelt ist. Die Vergütung entsteht einmal — unabhängig davon, ob der Patient einmal kommt oder fünfmal.
Für privat Versicherte gilt die Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ). Hier wird jede einzelne Leistung einzeln vergütet — Beratungsgespräch, körperliche Untersuchung, Bildgebung, jeder Folgetermin.
Die wirtschaftliche Konsequenz: wenn ein gesetzlich Versicherter im selben Quartal mehrfach kommt, arbeitet die Praxis ab dem zweiten Termin im Wesentlichen kostenlos. Das erklärt die strukturell unterschiedlichen Wartezeiten — sie sind eine direkte Folge dessen, wie Ärzte durch die GKV vergütet werden, beziehungsweise ab einem bestimmten Punkt eben nicht mehr. Eine Studie des WIG2-Instituts im Auftrag des Bundesgesundheitsministeriums hat diese Vergütungs-Diskrepanz für mehrere Facharztgruppen konkret in Zahlen gefasst. Die Honorardifferenz ist je nach Fachgebiet enorm.
Wer kann sich überhaupt privat versichern?
Nicht jeder, der möchte, darf auch wechseln. Der Gesetzgeber hat hier klare Grundlagen geschaffen.
Arbeiter und Angestellte
Wenn dein regelmäßiges Bruttoeinkommen 2026 mindestens 77.400 € im Jahr bzw. 6.450 € im Monat beträgt, hast du die Wahl zwischen GKV und PKV. Wichtig: Es zählen nicht alle Einkommensbestandteile mit — etwa einmalige Boni werden anders bewertet als das laufende Gehalt.
Selbstständige und Freiberufler
Selbstständige können sich ohne Einkommensgrenze privat versichern. Die Beitragskalkulation in der PKV ist hier oft attraktiver als die freiwillige GKV. In den ersten Jahren kann dennoch die GKV interessanter sein, da diese einkommensabhängig ist: wenn du zu Beginn noch über ein geringes Einkommen verfügst, dann ist auch dein GKV-Beitrag entsprechend niedrig. Der PKV-Beitrag ist hingegen völlig einkommensunabhängig und steigt nicht an, nur weil du mehr Geld verdienst oder die Beitragsbemessungsgrenze steigt.
Beamte und Anwärter
Beihilfeberechtigte Personen (z.B. Beamte) erhalten Beihilfe zu ihren Krankheitsaufwendungen. Die PKV bietet Prozent- bzw. Quotentarife an, die exakt auf die Beihilfe zugeschnitten sind — die sogenannte Restkostenabsicherung. Für Beamte ist die PKV in den allermeisten Fällen die wirtschaftlich sinnvollere Variante. Aber auch hier lohnt es sich, je nach Bundesland, Familienstand, Gesundheitszustand und individueller Situation zu prüfen, welche Krankenversicherung wirklich zu dir passt.
Studierende
Studierende können sich von der gesetzlichen Versicherungspflicht befreien lassen. Diese Entscheidung ist einmalig zum Studienbeginn zu treffen — und bindet dich bis zum Studienende. Lass dich vor diesem Schritt unbedingt beraten, ein voreiliger Wechsel ist später kaum zu korrigieren.
Kinder
Für die Mitversicherung von Kindern gelten spezielle Regelungen, die davon abhängen, wie die Eltern versichert sind. In der PKV gibt es keine kostenlose Familienversicherung wie in der GKV — jedes Kind muss mit einer eigenen Prämie versichert werden.
Der Arbeitgeber bezuschusst die PKV bis zum Höchstsatz. 2026 sind das max. 508,59 € für die private Krankenversicherung und max. 104,63 € für die private Pflegeversicherung. Der Zuschuss schließt auch Kinder und einen u.U. mitversicherten Partner ein — wenn du weißt, wie du ihn richtig beantragst (Quelle: § 257 SGB V).
Acht Kriterien, die deinen Tarif wirklich bestimmen
Es gibt nicht „den besten Tarif" — es gibt nur den, der zu deinem Leben passt. Wer dir etwas anderes verspricht, vereinfacht ein Thema, das in Wahrheit komplex ist. Hier sind die acht Kriterien, die wir mit jedem Kunden vor einem Wechsel ehrlich durchgehen:
- Familienplanung & Lebensphase: Sind Kinder geplant? Wie soll der Versicherungsschutz in der Elternzeit aussehen? Beitragsfreiheit möglich?
- Berufliche Zukunft: Bleibst du angestellt, machst du dich selbstständig, ist eine Beamtenlaufbahn realistisch? Davon hängt nicht nur der Tarif ab, sondern auch die langfristige Strategie — inklusive der parallel laufenden Berufsunfähigkeitsversicherung.
- Aufenthalt im Ausland: Reisen, Entsendung, dauerhafter Wohnsitz wechselnd? Der Geltungsbereich des Vertrags muss zu deinem Leben passen.
- Hilfsmittelkatalog: Offen oder geschlossen? Premium-Erstattung oder Limits? Bei Hörgeräten kann das schnell tausende Euro Unterschied machen.
- Heilmittel (Physio, Ergo, Logopädie): Anzahl der Sitzungen begrenzt? Erstattungssätze gedeckelt? Welche Behandlungen sind enthalten?
- Zahn und Zahnersatz: Konkrete Erstattungs-Höhe? Preisverzeichnis-Beschränkungen? Implantate inbegriffen?
- Krankenhaus und Reha: Chefarztbehandlung, Einbettzimmer, freie Klinikwahl? Wie sind die Bedingungen für AHB und Kurleistungen?
- Tarif-Anpassbarkeit: Lässt sich der Vertrag bei Veränderungen in deinem Leben anpassen? Höherwertiger Versicherungsschutz später nachrüstbar?
Dazu kommen weitere Fragen — zu Psychotherapie, Krankentagegeld, Krankentransporten und mehr. Eine private Krankenversicherung sollte man aufgrund der Komplexität daher nicht „mal eben" abschließen — weder online noch vor Ort. Es lohnt sich, hier ein wenig Zeit zu investieren, schließlich soll der Schutz ein Leben lang zu dir passen.
Bei allen Fragen gilt: Es gibt keine pauschal richtige oder falsche Aussage. Es hängt von deiner Situation, deinen finanziellen Mitteln und deinen Wünschen ab.
Was die PKV nicht kann — die ehrliche Seite
Wir verkaufen dir die PKV nicht als Allheilmittel. PKV hat nichts mit „billig" zu tun und nichts mit „überlegen". Vier Punkte, die du vor jedem Wechsel wissen musst:
Erstens: Keine kostenlose Familienversicherung. Jedes Kind, jeder nicht erwerbstätige Partner braucht eine eigene Prämie. Bei kinderreichen Familien kann das den Beitragsvorteil schnell aufzehren.
Zweitens: Beiträge sind dynamisch. Die zugesagten Leistungen sind in der PKV garantiert (§ 203 VVG), die Beitragshöhe ist es nicht. PKV-Beiträge folgen Versicherungsmathematik — sie steigen mit Medizin-Inflation, Lebenserwartung und Zinslage. Auch im Alter. Wer den Wechsel rein über die Beitragsersparnis der ersten Jahre rechnet und von dem eingesparten Geld nichts zurücklegt, der denkt zu kurzfristig.
Drittens: Tarif-Lücken sind real. Es gibt PKV-Tarife mit ernsthaften Schwächen — bei ambulanter Psychotherapie, bei Hilfsmitteln, bei Heilmitteln. Wer in den „nächstbesten" Tarif rennt, kann später deutlich schlechter dastehen als in der GKV. Genau deswegen ist unser Beratungsschritt mit der Filterfunktion über 50+ Leistungskriterien (auch im Rahmen unserer Honorarberatung verfügbar) kein Beiwerk — er entscheidet alles. Der billigste Tarif ist fast nie der beste.
Viertens: Rückkehr in die GKV ist eingeschränkt. Wer einmal in der PKV ist, kommt nur unter bestimmten Bedingungen wieder in die GKV zurück (siehe FAQ unten). Plane langfristig. Ein Wechsel mit 30 betrifft auch dein Leben mit 65 — wie er sich mit deiner gesamten Altersvorsorge verzahnt, schauen wir uns mit dir gemeinsam an.
All diese Punkte sprechen wir vor jedem Wechsel offen mit dir durch. Wenn die PKV für dich nicht sinnvoll ist, sagen wir das auch. Deswegen raten wir auch häufiger mal von einem Wechsel ab — nämlich immer dann, wenn es für dich nicht die objektiv beste Lösung ist.
So läuft unsere PKV-Beratung ab
Wir empfehlen für die Entscheidung, deine Krankenhistorie der letzten 3 Jahre (ambulant) und 5 Jahre (stationär) sauber aufzuarbeiten — damit du nicht später wegen Verletzung der vorvertraglichen Anzeigepflicht (§ 19 VVG) deinen Versicherungsschutz verlierst.
Wenn sich herauskristallisiert, dass eine PKV grundsätzlich interessant für dich sein könnte und ein Wechsel auch gesundheitlich möglich ist, schauen wir uns gemeinsam die unterschiedlichen Leistungsarten an. Egal ob du bei uns in Bochum-Weitmar vor Ort sitzt — die Anfahrt aus Witten oder Hattingen dauert keine 20 Minuten — oder online aus Essen, Dortmund oder dem übrigen Ruhrgebiet dazugeschaltet bist.
Tarifauswahl per Filterfunktion
Es gibt weit über 50 Leistungskriterien, in denen sich PKV-Tarife unterscheiden können. Wir gehen mit dir die wichtigsten durch und erklären, was sie für dich bedeuten. Aktuell gibt es am deutschen Markt rund 1.496 PKV-Tarife (Stand 06.2026), bei Beamten sind es allein 253 Tarifkombinationen.
Durch unsere Filterfunktion siehst du auf einen Blick, welcher Tarif wie viel Prozent deiner Vorgaben erfüllt. Ein günstigerer Tarif, der nur 63 % deiner Wünsche abdeckt, sieht plötzlich anders aus, wenn ein anderer für etwas mehr Beitrag 91 % erfüllt.
Zu jedem Leistungsvergleich bekommst du zudem ein Video mitgesendet, das nochmal konkret auf die einzelnen Leistungsunterschiede eingeht. Hier erfährst du, warum bestimmte Punkte wichtig sind, welche Formulierung eines Versicherers für dich teuer werden kann und welche Punkte eher zu vernachlässigen sind.
Anonyme Risikovoranfrage
So vermeidest du, dass Ablehnungen oder Risikozuschläge an die HIS (Hinweis- und Informationssystem der Versicherungswirtschaft) gemeldet werden. Solche Einträge können dir das Leben zukünftig schwerer machen. Außerdem kannst du durch eine anonyme Risikovoranfrage transparent und im Vorfeld sehen, zu welchen Konditionen die einzelnen Versicherer dich unter Berücksichtigung deiner Krankenakte versichern möchten.
Übergang und Kündigung der GKV
Wenn ein passendes Angebot vorliegt und du dich für einen Wechsel entschieden hast, bekommst du von uns nicht nur die Antragsunterlagen, sondern auch einen Kündigungsvordruck für die gesetzliche Krankenversicherung. Wir unterstützen dich bei der Kündigung, fordern die notwendigen Bescheinigungen an und sorgen für einen nahtlosen Übergang.
Da du dich oft für 50 oder mehr Jahre an ein Unternehmen und unter Umständen auch an einen Tarif bindest, lohnt es sich, dir kompetente Unterstützung zu holen. Nicht durch einen Versicherungsvertreter, der nur für ein Unternehmen tätig ist — und nicht über ein großes Online-Vergleichsportal, das eher auf Massengeschäft als auf individuelle Beratung ausgelegt ist. Dafür ist das Thema einfach zu vielschichtig und eine Fehlentscheidung später meist nicht mehr korrigierbar.
Häufige Fragen zur privaten Krankenversicherung
Lohnt sich die PKV im Alter überhaupt noch?
Das hängt vom Tarif, vom Anbieter und davon ab, wie der Beitrag aufgebaut ist. Ein wesentlicher Punkt ist die Alterungsrückstellung: Mit jedem Beitrag baut die PKV individuell Kapital auf, um die höheren Kosten im Alter abzufedern. Mit dem gesetzlichen Beitragsentlastungszuschlag (10 Prozent zusätzlich) wird dieser Effekt zusätzlich verstärkt.
Realistisch ist: in der PKV steigen die Beiträge nach Versicherungsmathematik — abhängig von Medizin-Inflation, Lebenserwartung und Zinslage. In der GKV steigen sie mit dem Einkommen — auch im Rentenalter, dort mit aktuell 17,5 Prozent auf Rente plus eventuell weitere Einkünfte. Beides ist über 30 Jahre nicht trivial. Wer im Alter gut versorgt sein will, sollte beide Szenarien ehrlich durchrechnen — wir machen das in der Beratung konkret mit deinen Zahlen.
Kann ich später wieder zurück in die GKV?
Nur unter bestimmten Bedingungen. Als Angestellter ist die Rückkehr meist nur möglich, wenn dein Einkommen wieder unter die Jahresarbeitsentgeltgrenze sinkt oder du arbeitslos wirst. Ab dem 55. Lebensjahr ist die Rückkehr in die GKV nur noch in seltenen Ausnahmefällen möglich. Selbstständige haben es noch schwerer.
Diese Hürde ist gewollt — sie verhindert, dass Menschen in jungen Jahren günstige PKV-Tarife nutzen und im Alter ins solidarische GKV-System wechseln. Plane langfristig.
Was passiert mit meiner PKV, wenn ich arbeitslos werde?
Bei Bezug von ALG I bleibst du in der PKV. Die Bundesagentur für Arbeit übernimmt einen Teil der Beiträge — allerdings nicht den vollen Beitrag, eine Restzuzahlung bleibt. Bei längerer Arbeitslosigkeit kann ein Wechsel in den Basistarif sinnvoll werden.
Beim Übergang in ALG II („Bürgergeld") gibt es Sonderregelungen — hier solltest du dich frühzeitig beraten lassen, weil falsche Entscheidungen langfristige Folgen haben.
Kann ich meine Familie in der PKV mitversichern?
Im Gegensatz zur GKV gibt es in der PKV keine kostenlose Familienversicherung. Jede Person (Ehepartner ohne ausreichendes Einkommen, Kinder) benötigt eine eigene Versicherung mit eigenem Beitrag.
Wichtig zu wissen: Der Arbeitgeberzuschuss zur PKV deckt auch die Beiträge für Kinder und einen u.U. mitversicherten Partner ab — bis zum Höchstbeitrag.
Was kostet eine private Krankenversicherung im Monat?
Das hängt von Eintrittsalter, Gesundheitszustand und gewünschtem Leistungsumfang ab. Pauschale Zahlen helfen wenig — wer dir „ab 300 € pro Monat" verspricht, will dich über den Preis locken, aber das hat mit seriöser Beratung nicht zu tun.
Wenn wir deine Eckdaten und deine Wünsche an die PKV kennen, bekommst du von uns gerne einen übersichtlichen Marktvergleich inkl. aller Prämien. Das ist seriös und maximal transparent.
Sinnvoller als die reine Kostenfrage ist die Frage nach dem Preis-Leistungs-Verhältnis: Ein günstigerer Tarif mit 63 % Deckung deiner Anforderungen ist objektiv schlechter als ein teurer mit 91 %. Genau das siehst du in der Beratung schwarz auf weiß.
Kann ich eine PKV trotz Vorerkrankungen abschließen?
Möglicherweise — abhängig von Art und Schwere der Vorerkrankung. Bei Antragstellung sind Gesundheitsfragen wahrheitsgemäß zu beantworten (vorvertragliche Anzeigepflicht nach § 19 VVG). Vorerkrankungen können zu Risikozuschlägen, Leistungsausschlüssen oder Ablehnung führen.
Wir empfehlen deshalb immer eine anonyme Risikovoranfrage, bevor ein konkreter Antrag gestellt wird. Ablehnungen werden sonst an die HIS-Datei gemeldet — und das macht eine spätere Antragstellung bei anderen Versicherern deutlich schwerer.
Außerdem reagieren Versicherer oft sehr unterschiedlich auf die gleichen Gesundheitsunterlagen, weswegen es sich lohnt, mehrere Voranfragen bei guten Gesellschaften zu stellen. Nur so kennst du all deine Optionen und kannst eine informierte Entscheidung treffen.
Wie lange dauert eine ehrliche PKV-Beratung?
Für ein erstes, kostenloses Kennenlernen (persönlich, online oder telefonisch) reservieren wir uns 45 Minuten für deine Fragen. Für die vollständige Beratung, die Tarifauswahl und die saubere Risikoprüfung nehmen wir uns danach ganz bewusst deutlich mehr Zeit — denn hier geht Gründlichkeit vor Schnelligkeit.
Warum? Weil wasserdichte Risikovoranfragen im Hintergrund einfach Zeit brauchen. Wenn dir jemand verspricht, du könntest „heute beraten werden und morgen unterschreiben", ist das ein Warnsignal. Bei einem Vertrag, der dich potenziell 50 Jahre bindet, investieren wir lieber vorher die nötige Zeit, damit du später keine bösen Überraschungen erlebst.
Berät ihr auch Mandanten außerhalb von Bochum?
Ja, und das ist über die Jahre zur Regel geworden. Vor Ort in unserer Bochumer Praxis (Hattinger Str. 405) empfangen wir Mandanten aus Bochum, Witten und Hattingen — die Anfahrt liegt jeweils zwischen 10 und 20 Minuten. Aus Essen, Dortmund, Herne, Gelsenkirchen und dem übrigen Ruhrgebiet beraten wir überwiegend online per Zoom oder Google Meet.
Inhaltlich macht das keinen Unterschied — die Filterfunktion über 50+ Leistungskriterien, die anonymen Risikovoranfragen und die Tarifauswahl laufen identisch ab. Online sparst du dir nur die Anfahrt.
Was unterscheidet euch von einem Online-Vergleichsportal?
Du profitierst bei uns von einer individuellen Beratung durch deinen persönlichen PKV-Experten und musst nicht durch die Call-Center-Massenabfertigung.
Wir zeigen dir in Ruhe, worauf es wirklich ankommt, welche Fehler du vermeiden solltest, und raten von einem Wechsel ab, wenn dieser für dich nicht wirklich sinnvoll ist.
Hinweis: Dieser Artikel bietet eine allgemeine Einordnung und ersetzt keine individuelle Beratung. Versicherungs- und Tarifentscheidungen hängen von deiner konkreten Lebenssituation ab. Bei konkreten Fragen sprechen wir gern persönlich mit dir — kostenfrei und unverbindlich.