Ratgeber · Wohngebäudeversicherung

Beitragsanpassung in der Wohngebäudeversicherung

Warum die Beiträge steigen müssen, warum eine sofortige Kündigung oft keine gute Lösung ist und was du jetzt am besten tun kannst.

Lesezeit ca. 15 Min · Christel Klomfaß, Versicherungsmakler Leistenschneider Bochum
Das Wichtigste in Kürze
  • Nahezu alle Wohngebäudeversicherungen passen die Beiträge an, da der Baupreisindex und das Schadenaufkommen sehr deutlich gestiegen sind.
  • Es lohnt sich dennoch, die Prämien zu vergleichen. Schau dabei neben dem Preis auch auf den Leistungsumfang und die Formulierungen in den Vertragsbedingungen — hier gibt es große Unterschiede.
  • Oft hast du ein Sonderkündigungsrecht. Setze es nur überlegt ein, damit du später nicht ohne Versicherungsschutz dastehst.
  • Durch eine Selbstbeteiligung in der Gebäudeversicherung kannst du die Prämie ebenfalls reduzieren.
Hintergrund

Warum dies nicht die letzte Beitragsanpassung sein wird

Auch wenn du dich über die Beitragsanpassung ärgerst: Die Wohngebäudeversicherung bleibt auch für die Gebäudeversicherer ein schwieriges Geschäft.

Noch 2024 schrieb rund die Hälfte der 50 größten Wohngebäudeversicherer rote Zahlen, weil die Prämieneinnahmen nicht ausreichten, um die Schadenszahlungen zu decken. Die durchschnittliche Schaden-Kosten-Quote lag zwar erstmals seit 2020 wieder knapp unter 100 % — die Entlastung beruhte aber vor allem auf einem milden Schadenjahr und bleibt fragil.

Deswegen haben sich in der Vergangenheit auch schon einige Versicherer vom Wohngebäudeversicherungsmarkt zurückgezogen oder einfach die Prämien so weit erhöht, dass kein Kunde freiwillig sein Haus dort versichern möchte.

Schadenaufkommen

Kostenentwicklung der letzten Jahre

Die extremen Wetterphänomene haben in den letzten Jahren stark zugenommen. Sturmtiefs, Starkregen und Überschwemmungen treten in immer kürzeren Abständen auf und verursachen zudem immer größere Schäden. Das lässt sich gut am Verlauf der Schadenszahlungen in der Wohngebäudeversicherung erkennen.

Zudem werden die Gebäude immer älter und damit auch das Wasserleitungssystem im Haus. In der Folge nimmt die Anzahl der Leitungswasserschäden stetig zu, und durch die hohe Inflation steigen die durchschnittlichen Reparaturkosten zur Behebung des Schadens sehr stark an.

Auch Elementarschäden nehmen stetig zu. Meist treten die Wetterphänomene aber regional auf, weswegen die reine Anzahl der Schäden im Vergleich zu den Leitungswasserschäden geringer ausfällt. Die Folgen für die betroffenen Regionen sind hingegen dramatisch und die Kosten für den Wiederaufbau gehen schnell in die Milliarden — siehe Ahrtal im Juli 2021. Allein 2024 belief sich das bundesweit versicherte Schadenvolumen laut GDV auf rund 5,7 Milliarden Euro, getrieben vor allem durch Starkregen und Überschwemmungen in Süddeutschland.

Im Bereich der Leitungswasserschäden sind die Kosten pro Schaden zwar geringer als bei den Elementarschäden, dafür wird aber die Schadenhäufigkeit immer weiter zunehmen. Auch die Reparaturkosten steigen aktuell sehr deutlich. All das lässt sich gut an den Zahlen des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft e.V. (GDV) erkennen.

Baupreisindex

Warum der Index für dich wichtig ist

Es gibt immer mehr Schäden — und dazu sind die Kosten pro Schaden enorm angestiegen. Denn nicht nur Lebensmittel und andere Dinge des täglichen Lebens sind teurer geworden, sondern auch die Lohnkosten im Baugewerbe sind gestiegen und die Preise für Baumaterial haben sich teilweise vervielfacht.

Das muss in deiner Wohngebäudeversicherung eingepreist werden, da dein Haus zum Neuwert bzw. aktuellen Wiederaufbauwert versichert ist. Wenn deine Versicherungssumme (Wert 1914 oder qm-Zahl) einmal richtig ermittelt wurde, kannst du dich zukünftig entspannt zurücklehnen, da dein Haus trotz Preissteigerungen und Inflation immer ausreichend hoch versichert sein wird.

Hierfür braucht es aber einen jährlichen Anpassungsfaktor, der die Preissteigerungen berücksichtigt und dich vor einer Unterversicherung schützt. Bei der Berechnung wird der vom Statistischen Bundesamt veröffentlichte Baupreisindex für Wohngebäude sowie der Tariflohnindex für das Baugewerbe berücksichtigt — der Baupreisindex zu 80 Prozent, der Tariflohnindex zu 20 Prozent.

27,63Anpassungsfaktor 2026 (VGB 2000+)
27,8Gleitender Neuwertfaktor (VGB 88)
+4,22 %Anpassung ggü. Vorjahr

Aufgrund der vielen Herausforderungen empfahl sogar der damalige Chef der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin), Dr. Frank Grund, den Gebäudeversicherern eine Preiserhöhung, damit diese kostendeckend arbeiten können. Bereits auf der Jahreskonferenz der Versicherungsaufsicht sagte er:

„Die gestiegene Inflation wird zwingend höhere Beiträge in der Schaden- und Unfallversicherung nach sich ziehen" — und zwar nicht nur für Neukunden, sondern auch bei bestehenden Kunden. Steigende Prämien seien vor allem in der Wohngebäude- und in der Kraftfahrtversicherung zu erwarten, aber auch in anderen Zweigen.

Dr. Frank Grund · BaFin
Sonderkündigungsrecht

Dein Kündigungsrecht sinnvoll einsetzen

Wenn der Versicherer eine Beitragserhöhung vornimmt, kannst du innerhalb eines Monats von deinem Sonderkündigungsrecht Gebrauch machen. Bevor du aber kündigst, solltest du bereits ein verbindliches Angebot vorliegen haben, das unbedingt auch deine individuelle Schadenhistorie berücksichtigt.

Denn in den letzten Jahren ist es immer schwieriger geworden, Häuser mit mehreren Vorschäden versichert zu bekommen. Oft geht das nur, wenn du erhebliche Prämienaufschläge oder Leistungsausschlüsse akzeptierst.

Bitte schau bei einem Vergleich zudem nicht nur auf die Prämienhöhe, sondern lies dir auch das Kleingedruckte durch. Denn es bringt dir nichts, wenn du 90 € Beitrag im Jahr sparst, aber im Schadensfall auf 3.000 € oder deutlich mehr sitzen bleibst — nur weil dein Versicherer kundenunfreundliche Bedingungstexte verwendet oder der Leistungskatalog stark eingeschränkt ist.

Wenn dein Haus mehrere Vorschäden hat, ist es oft besser, beim aktuellen Versicherer zu bleiben und stattdessen eine Selbstbeteiligung pro Schadensfall zu vereinbaren. So reduzierst du deine Prämie dennoch. Eine Selbstbeteiligung ist generell sinnvoll, da du kleinere Schäden ohnehin am besten selbst trägst, um deine Schadenquote niedrig zu halten. Sonst kann es sein, dass dein Gebäudeversicherer dich wegen zwei kleinen Schäden kündigt und du gezwungen bist, zu einem teureren und meist schlechteren Versicherer zu wechseln. Langfristig ist ein Vertrag mit Selbstbeteiligung daher fast immer die beste Lösung.

Wichtig: Du besitzt kein Sonderkündigungsrecht, wenn die Beitragserhöhung nur durch die Erhöhung des Anpassungsfaktors entsteht. Dieser Erhöhung könntest du allenfalls widersprechen — dann entfällt aber auch die gleitende Neuwertversicherung für deinen Vertrag und dein Haus wäre zukünftig schnell unterversichert. Daher raten wir dir von diesem Schritt dringend ab.

Fazit

Strategisch handeln statt überstürzt kündigen

Die Wohngebäudeversicherung wird aufgrund der Schadenereignisse und der Kostenexplosion im Baugewerbe sehr wahrscheinlich auch in den kommenden Jahren flächendeckend deutlich teurer werden. Gerade bei älteren Verträgen ist es daher sinnvoll, sich einen anbieterübergreifenden Marktüberblick zu verschaffen und den bestehenden Vertrag auf den Prüfstand zu stellen.

Richte deinen Blick dabei nicht ausschließlich auf den Preis, sondern auch auf den Leistungsumfang. Denn das eigene Haus ist fast immer deine größte finanzielle Investition und zu großen Teilen fremdfinanziert. Wenn du jetzt am Versicherungsumfang sparst, können dich größere Schäden schnell in eine finanzielle Schieflage bringen.

Auch wenn du dich über die Beitragserhöhung ärgerst: Kündige deine bestehende Gebäudeversicherung nicht unüberlegt, sondern gehe strategisch und clever vor. Wenn du dir dabei einen kompetenten Ansprechpartner an deiner Seite wünschst, sprich uns gern an.

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Christel Klomfaß, gepr. Versicherungsfachfrau IHK
Über die Autorin

Christel Klomfaß

gepr. Versicherungsfachfrau (IHK) bei Versicherungsmakler Leistenschneider in Bochum, Schwerpunkt Sachversicherungen und Mandantenbetreuung. Mehr über das Team auf der Über-uns-Seite.